Herbst

10. Oktober

Der Rest-e.V. organisiert Ausstellungen, in diesem Jahr konnte Rolf John sogar 2 Ausstellungen ausstatten - "3x schwarz" und "Ganz schön jüdisch". Wie ich soeben in der Septemberausgabe der Publikation "GE-spräch" entnehmen konnte, soll am 13. 10. die Ausstellung über das Leben der Künstler in der nationalsozialistischen Zeit zwischen 1933 und 1945 beginnen. Die Stadt hatte ja vor, eine Ausstellung zur Betrachtung der Kunst im 3. Reich, speziell der Kunst der Gelsenkirchener Künstler der Künstlersiedlung Halfmannshof (Gab es sonst keine Künstler in dieser Stadt in dieser Zeit?), im November zu zeigen. Es wurde diese aber abgesagt, weil Bürger ihre Zusagen zur Bereitstellung von Kunstwerken zurück zogen. Die städtische Ausstellung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Was tut sich hier? In den "freien" Wohnungen ziehen ständig junge Menschen, mal mit, mal ohne Schlafsäcke, ein und aus; die Wohnungen werden von einer Reinigungskolonne geputzt, aber kennenlernen tut man keinen. Es ist übrigens fast allen Künstlern gekündigt worden, Wohnung und Atelier, denn nur diese Einheit konnte in den vergangenen Jahren gemietet werden!

Es ist kalt geworden.

15. Oktober

Die Ausstellung des Vereins Künstlersiedlung Halfmannshof e.V. wird erst später stattfinden, der 13. 10. war wohl zuerst geplant worden.

25.Oktober

Auszug
Möbelwagen vorgefahren

Nun ist also der "letzte Schmied vom Halfmannshof" ausgezogen! Kann ein Gebäude von außen schon so leblos wirken, obwohl noch Blumenkästen mit blühenden Geranien vor dem Küchenfenster hängen?

Es ist äußerst schade, daß niemand von Befürwortern einer Künstlersiedlung mit dort Wohnenden und Arbeitenden in der Lage ist, die so krasse Umgestaltung zu verhindern.

Ich kann mir nicht helfen, hier geht Eigennutz (GGW) vor Gemeinnutz (Bürger der Stadt Gelsenkirchen). Ich stelle mir vor: In einigen Jahren kommen die Sightseeing-Busse vorbei, der Erläuterer erzählt von Künstlern, die einmal "in echt" dort gelebt haben - Maler, Puppenspieler, Schriftsteller, Kunstschmied, Stahlbildhauer, Fotograf, Kunstbuchbinder, Keramiker, Grafiker ..... Künstler, die ihre Ateliers den interessierten Besuchern öffneten, Ausstellungen organisierten, Feste feierten.

. . .

 

8. November

Fledermaus-Kästen
Vorbereitungen

Lachnummer???????

Heute morgen, ein trüber Tag. Eine Gartenbaufirma - nicht aus GE - fährt vor. Die Giebelwand am Wohnhaus wird ausgemessen, eine Leiter angelegt und die Kletterrose um ca. 1,5 m gekürzt. Ich frage die Handwerker, was da passiert. Sie haben den Auftrag, Fledermauskästen zu installieren.

FLEDERMAUS-KÄSTEN?  Was soll das denn? Ich glaube, mich verhört zu haben. Aber es stimmt, sie tun es tatsächlich. Es ist kaum zu glauben, dass solche Kästen unterhalb eines großen Fensters angebracht werden. Die Wohnung steht nicht leer, sondern ist noch (zumindest vorläufig) bewohnt. Die Fledermäuse werden sich bedanken, in ihrem Winterschlaf ständig irgendwie gestört zu werden.

Sollen jetzt noch Fledermäuse angelockt werden? Oder soll bewiesen werden, dass es gar keine Fledermäuse hier gibt? Es gibt aber im Halfmannshof Fledermäuse. Wir haben an Sommerabenden oft diese Tiere beobachten können.

Ich glaube aber, dass die Art der Anbringung eher abschreckt.

 

Fledermaus-Kästen
Fledermauskästen

9. November

Giebelwand
Arbeit am Giebel

Oh, Wunder! Heute morgen, Abbau der Kästen, dafür Anbringung oberhalb der Fenster. Ob die Leiter wohl lang genug ist? Einer sichert unten, oben kämpft einer stehend freihändig mit Bohrmaschine, Schrauben und Kasten.

 

 

 

Fledermaus-Kästen neu
Giebel-Südseite

 

 

 

So, liebe Fledermäuse, Euer neues Winterquartier ist bezugsfertig. Ging ja ganz schnell. Ob es eine unter Euch gibt, die noch nicht in die Winterlethargie gefallen ist?


24. November

Nun ist bereits der Maler und Grafiker Rolf John ausgezogen.

Trotz aller trüben Tage des Novembers wird im Hof noch weiter gearbeitet - der 38. Kunstmarkt am 1. u. 2. Dezember steht an. Da die Künstlersiedlung Halfmannshof e.V.  an der Aktion Licht An der Galeriemeile teilnimmt, erhoffen sich alle noch hier lebenden und arbeitenden Künstler regen Zulauf und Zuspruch. Es wird aber allerdings der letzte Kunstmarkt sein.

 

Übrigens: Die "Künstlersiedlung Halfmannshof" steht auf der Roten Liste beim Deutschen Kulturrat, als "gefährdet" eingestuft!

Quelle: "Politik & Kultur (06-12)" mit der "Roten Liste Kultur"  auf Seite 7 (pdf.Datei)